Vor dem Hintergrund des sich schnell verändernden globalen Investitionswettbewerbs sind Industriecluster zunehmend zu zentralen Trägern für viele Länder, Städte und Regionen geworden, um ausländische Direktinvestitionen (FDI) anzuziehen. Von fortschrittlicher Fertigung, Halbleitern, neuer Energie und Biomedizin bis hin zu künstlicher Intelligenz, digitaler Wirtschaft und grünen Industrien treffen Investoren immer seltener Entscheidungen allein auf der Grundlage einzelner Projektbedingungen, sondern achten vielmehr darauf, ob eine Region über ein vollständiges Industrieökosystem, ein Talent-System, Innovationsfähigkeit und langfristige Entwicklungssicherheit verfügt.
Viele Investment Promotion Agencies (IPAs) verwenden jedoch bei der Förderung von Industrieclustern immer noch traditionelle Ansätze der Investitionswerbung: Sie betonen Landfläche, Vergünstigungen, Infrastruktur und die Anzahl der Unternehmen, gehen aber selten auf die Fragen ein, die Investoren wirklich interessieren – warum diese Region ein wichtiger Knotenpunkt für die zukünftige Entwicklung einer bestimmten Industrie werden kann? Verfügt die Industriekette über die Fähigkeit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung? Welche ökologische Unterstützung können Unternehmen nach dem Eintritt in die Region erhalten?
Die Förderung von Industrieclustern wandelt sich von der „Informationspräsentation“ hin zum „Aufbau von Wahrnehmung“. Eine hervorragende Kommunikation für Industriecluster sagt den Investoren nicht einfach, „was es hier gibt“, sondern hilft dem globalen Kapital zu verstehen, „warum hier gerade ein neuer industrieller Wert entsteht“.
Dieser Artikel untersucht die globalen Veränderungen bei der Förderung von Industrieclustern, analysiert, wie internationale Investmentförderungsagenturen ihre Industrie-Narrative neu gestalten, und fasst einen methodischen Rahmen zusammen, der für Regierungsabteilungen für Investitionsförderung, Wirtschaftsentwicklungsorganisationen und Betreiber von Industrieparks anwendbar ist.
Teil 1: Warum die Förderung von Industrieclustern vor neuen Herausforderungen steht
Vom Ressourcenwettbewerb zum Ökosystemwettbewerb: Die traditionelle Investitionslogik verändert sich
In den letzten Jahrzehnten stützten sich viele Regionen bei der Anziehung von Investitionen hauptsächlich auf einige Kernfaktoren:
- Grundstückskosten;
- Arbeitskräftevorteile;
- Steuervergünstigungen;
- Infrastrukturaufbau;
- Unterstützung durch die Regierung.
Dieses Modell spielte eine wichtige Rolle in der Phase der globalen Expansion der verarbeitenden Industrie.
Mit der Neugestaltung globaler Lieferketten, dem Wandel der Technologiezyklen und der Anpassung des geopolitischen Umfelds ändert sich jedoch die Bewertungslogik der Investoren.
Für hochwertige Industrien achten Unternehmen bei der Wahl des Investitionsstandorts zunehmend darauf:
- Nähe zu wichtigen Lieferanten;
- Verfügbarkeit von Forschungs- und Entwicklungsressourcen;
- Vorhandensein von Industriefachkräften;
- Existenz von Innovationsnetzwerken;
- Integration in globale Lieferketten;
- Langfristige politische Stabilität.
Mit anderen Worten: Der Wettbewerb hat sich von „einzelnen Investitionsprojekten“ hin zu „regionalen Industrieökosystemen“ verlagert.
Eine Region muss nicht mehr nur Produktionsraum bieten, sondern nachweisen, dass sie die Fähigkeit besitzt, ein Industrieknotenpunkt zu sein.
Deshalb beginnen immer mehr Investmentförderungsagenturen, von der „Investitionswerbung“ zur „Markenbildung für Industriecluster“ überzugehen.
Viele Kommunikationsmaßnahmen für Industriecluster verharren noch auf der „Ressourcenliste“
Derzeit verwenden viele Regionen bei der Förderung von Industrieclustern noch eine ähnliche Struktur:
„Wir haben so viele Unternehmen.“
„Wir haben einen Industriepark von so vielen Quadratkilometern aufgebaut.“
„Wir haben so viele Politiken erlassen.“
„Wir bieten so viele Investitionsanreize.“
Diese Informationen sind nicht ohne Wert, aber für internationale Investoren sind sie oft nur grundlegende Informationen und keine Entscheidungsgrundlage.Diese Informationen sind nicht wertlos, aber für internationale Investoren stellen sie oft nur grundlegende Informationen dar, keine Entscheidungsgrundlage.
Der Grund liegt darin:
Unternehmen suchen nicht nur einen Standort, sondern eine Reihe zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten.
Wenn zum Beispiel ein neues Energieindustriegebiet nur Folgendes betont:
- Werksflächengröße;
- Grundstückspreise;
- Stromversorgung;
müssen Investoren dennoch weiter prüfen:
- Ist die Versorgung mit vorgelagerten Materialien stabil?
- Ist der nachgelagerte Markt ausgereift?
- Gibt es vor Ort technische Fachkräfte?
- Gibt es relevante Forschungseinrichtungen?
- Bleiben die zukünftigen Industriepolitiken beständig?
Daher hat sich die Kernfrage zur Förderung von Industrieclustern bereits verlagert von:
"Wie stellt man den Industrieumfang vor?"
zu:
"Wie erklärt man den ökologischen Wert der Industrie?"
Teil 2: Neue Trends in der globalen Förderung von Industrieclustern
Trend 1: Vom "Industrielisten" zur "Industriegeschichte"
Internationale Investitionsförderungsagenturen legen zunehmend Wert auf die Industrieerzählung (Industry Narrative).
Eine sogenannte Industrieerzählung ist keine Marketinggeschichte, sondern ein strukturierter Ausdruck, der Investoren hilft, die regionale Wettbewerbslogik zu verstehen.
Wenn eine Region beispielsweise die Halbleiterindustrie fördert, reicht es nicht aus, nur zu sagen:
"Wir haben einen Halbleiter-Industriepark."
Der Informationswert ist begrenzt.
Wirkungsvoller ist es, Folgendes zu erklären:
- Warum sich in der Region eine Halbleiterindustrie entwickelt hat;
- Welche Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen das Ökosystem bilden;
- Welche Rolle sie in der globalen Lieferkette spielt;
- Was die zukünftigen Schwerpunkte der Entwicklung sind.
Auf diese Weise wird dem Investor tatsächlich eine Industriekarte an die Hand gegeben.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Förderung etablierter Industriecluster in der Regel drei Ebenen umfasst:
Erste Ebene: Industriefakten.
Dazu gehören Anzahl der Unternehmen, Produktionswert, Infrastruktur und Umfang der Fachkräfte.
Zweite Ebene: Ökologische Beziehungen.
Dazu gehören Lieferkettenverbindungen, Innovationsnetzwerke und Marktchancen.
Dritte Ebene: Zukünftige Trends.
Dazu gehören Technologierichtungen, Wege zur industriellen Aufwertung und globale Positionierung.
Erst wenn die dritte Ebene erreicht ist, kann eine Region eine attraktivere Investitionswahrnehmung schaffen.
Trend 2: Investitionsförderungsagenturen werden zu Erklärern des Industrieökosystems
Traditionell übernehmen IPAs hauptsächlich Funktionen wie die Akquise von Investitionshinweisen, Projektkoordination und Investitionsservice.
Im Zeitalter des Industrie wettbewerbs beginnen jedoch immer mehr Agenturen, eine weitere Rolle zu übernehmen:
Erklärer des Industrieökosystems.
Zum Beispiel konzentrieren sich einige US-amerikanische Wirtschaftsförderungsagenturen auf Landesebene bei der Förderung der fortschrittlichen Fertigungsindustrie nicht mehr nur auf Industrieparks, sondern sie bauen ein vollständiges Industriebild auf, das sich auf:
- System technischer Fachkräfte;
- Forschungskapazitäten der Universitäten;
- Lieferkettennetzwerke;
- Innovationszentren;
stützt.
Auch mehrere europäische Regionen legen bei der Förderung grüner Industriecluster zunehmend Wert auf:
- Fähigkeit zur Energiewende;
- Kohlenstoffmanagementsystem;
- Kreislaufwirtschaftsnetzwerk;
- Unternehmenskooperationsmechanismen.
Diese Praktiken zeigen einen Trend:Investitionsförderungskommunikation bewegt sich von „Place Marketing“ hin zu „Ecosystem Positioning“.## Ebene 4: Aufbau eines kontinuierlichen Kommunikationsmechanismus
Die Marke eines Industrieparks entsteht nicht durch eine einzige Investitionsveranstaltung.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass eine langfristig wirksame Industriepark-Kommunikation in der Regel Folgendes umfasst:
- Branchenforschungsberichte;
- Veröffentlichung von Fachinhalten;
- Teilnahme an internationalen Konferenzen;
- Betrieb einer Investorendatenbank;
- Kommunikation mit Branchenmedien;
- Aufbau digitaler Kanäle.
Das Ziel ist nicht, kurzfristige Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern die Wahrnehmung der Zielinvestoren kontinuierlich zu beeinflussen.
Ebene 5: Anbindung an den Investitionsentscheidungszyklus
Die Förderung von Industrieparks erfordert ein Verständnis des Entscheidungsprozesses von Investoren.
Dieser umfasst in der Regel:
Erste Phase:
Suche nach potenziellen Investitionsstandorten.
Fokus auf Branchentrends und regionale Fähigkeiten.
Zweite Phase:
Vergleich der Kandidatenregionen.
Fokus auf Lieferkette, Fachkräfte, Politik und Risiken.
Dritte Phase:
Eintritt in die Investitionsbewertung.
Fokus auf spezifische Projektbedingungen und Umsetzungsfähigkeiten.
Verschiedene Phasen erfordern unterschiedliche Informationen.
Viele Investitionsförderungsmaßnahmen haben eine begrenzte Wirkung, nicht weil es an Informationen mangelt, sondern weil die Informationen nicht mit der Entscheidungsphase der Investoren übereinstimmen.
Teil 4: Gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in internationalen Fallbeispielen
Fallbeispiel 1: Förderung von Industrieparks in Irland – Von der Unternehmensanwerbung zum Ökosystemaufbau
Die IDA Ireland (Industrial Development Agency) treibt seit langem Investitionen in Hochtechnologieindustrien voran. Ihre Erfahrung zeigt den Wandel der Industriepark-Förderung von der Unternehmensanwerbung hin zur Gestaltung von Ökosystemen.
Bei der Anwerbung von Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Life Sciences und Digitalisierung lag der Kommunikationsschwerpunkt nicht nur auf der Steuerpolitik, sondern auf:
- der Fähigkeit zur Anbindung an den europäischen Markt;
- dem Fachkräftesystem;
- dem Kooperationsumfeld für Forschung und Entwicklung;
- den bereits bestehenden Industriestrukturen.
Ihre Erfahrung zeigt:
Die Anziehungskraft eines Industrieparks ergibt sich oft aus einem kumulativen Effekt.
Wenn eine Region nachweisen kann, dass bereits ein industrielles Ökosystem entstanden ist, fällt es neuen Unternehmen leichter, den zukünftigen Entwicklungsspielraum einzuschätzen.
Fallbeispiel 2: Industriepark-Strategie Singapurs – Betonung von Systemfähigkeiten
Die Investitionsförderungspraxis des Singapore Economic Development Board (EDB) hat sich lange Zeit auf den Aufbau industrieller Systeme konzentriert.
Die externe Kommunikation dreht sich in der Regel um:
- Produktionsfähigkeiten;
- Innovationssysteme;
- das Fachkräfteumfeld;
- die Anbindung an regionale Lieferketten;
anstatt eine einzelne Ressource gesondert zu bewerben.
Dieses Modell zeigt:
Der Kern des Wettbewerbs zwischen Industrieparks liegt nicht nur darin, Unternehmen zu beherbergen, sondern darin, über die Systemfähigkeit zu verfügen, Unternehmen in ihrer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen.
Fallbeispiel 3: Regionale Industrieparks in Deutschland – Hervorhebung spezialisierter Netzwerke
Viele regionale Industrieparks in Deutschland, beispielsweise in den Bereichen Automobilbau, Maschinenbau und Industrietechnik, verdanken ihre Wettbewerbsvorteile nicht einzelnen Großunternehmen, sondern:
- Netzwerken kleiner und mittelständischer Unternehmen;
- Technologieeinrichtungen;
- dem System der Berufsbildung;
- einer langjährigen industriellen Tradition.
Ihre Erfahrung zeigt:
Die Marke eines Industrieparks braucht Zeit, um sich zu bilden.
Kurzfristige Inszenierung kann den langfristigen Ökosystemaufbau nicht ersetzen.
Teil 5: Neue Richtungen für die zukünftige Förderung von Industrieparks## KI verändert die Art und Weise, wie Investoren Brancheninformationen erhalten
Künstliche Intelligenz und generative KI verändern die Art und Weise, wie Investoren Regionen recherchieren.
Früher konnten Unternehmen Informationen über eine Region beziehen über:
- offizielle Webseiten;
- Investitionsbroschüren;
- Investitionskonferenzen.
In Zukunft werden immer mehr Investoren möglicherweise zunächst über KI-Tools fragen:
„Welche Region eignet sich für den Bau einer Batteriefabrik?“
„Welche europäischen Städte verfügen über ein ausgereiftes Wasserstoff-Ökosystem?“
„Erfüllt eine bestimmte Region die Voraussetzungen für Halbleiterinvestitionen?“
Das bedeutet:
Die Informationsqualität, der Strukturierungsgrad und die internationale Verständlichkeit von Branchenclustern werden direkten Einfluss darauf haben, wie sichtbar eine Region im zukünftigen Umfeld der Investitionssuche ist.
Geopolitik erhöht die Komplexität der Branchencluster-Kommunikation
In den letzten Jahren sind Lieferkettensicherheit, industrielle Eigenständigkeit und regionale Risiken zu wichtigen Faktoren bei Investitionsentscheidungen geworden.
Daher darf sich die Förderung von Branchenclustern nicht nur auf Effizienz konzentrieren, sondern muss auch erklären:
- Resilienz der Lieferketten;
- Risikomanagementfähigkeiten;
- internationales Kooperationsumfeld;
- langfristige Stabilität.
Investoren suchen nicht nur nach kostengünstigen Regionen, sondern nach Industrieknotenpunkten, die mit zukünftigen Veränderungen umgehen können.
Datengetriebenheit wird zur wichtigen Grundlage der Branchenförderung
Die Förderung von Branchenclustern wird in Zukunft zunehmend auf Datenanalysen angewiesen sein:
Dazu gehören:
- Analyse von Investitionstrends;
- Veränderungen der Branchennachfrage;
- Trends der Unternehmensverlagerung;
- Richtung der technologischen Entwicklung;
- Veränderungen der Investoreninteressen.
Es ist wichtiger, die Bedürfnisse der Investoren durch Daten zu verstehen, als einseitig regionale Informationen zu vermitteln.
Schlusswort: Der Kern der Branchencluster-Förderung besteht darin, der Welt den zukünftigen Wert einer Region zu vermitteln
In einem Umfeld, in dem der globale Investitionswettbewerb komplexer wird, beschränkt sich die Förderung von Branchenclustern nicht mehr nur auf die Erstellung von Investitionsmaterialien oder die Organisation von Investitionsveranstaltungen.
Es handelt sich im Wesentlichen um eine langfristige kognitive Aufbauarbeit.
Eine Region muss nicht nur beantworten:
„Was haben wir?“
Sondern:
„Warum wird sich diese Industrie hier in Zukunft entwickeln?“
Internationale Erfahrungen zeigen, dass einflussreiche Branchencluster-Kommunikation in der Regel mehrere gemeinsame Merkmale aufweist:
- Sie kann die industrielle Logik erklären;
- Sie kann ökologische Beziehungen darstellen;
- Sie kann vertrauenswürdige Informationen liefern;
- Sie kann an den Investitionsentscheidungsprozess anknüpfen;
- Sie kann sich kontinuierlich an globale Branchenveränderungen anpassen.
Für Investitionsförderungsagenturen findet der zukünftige Wettbewerb nicht nur auf der Ebene der industriellen Grundlagen statt, sondern auch auf der globalen kognitiven Ebene.
Wer seinen eigenen industriellen Wert klarer erklären kann, hat eher die Chance, in das strategische Blickfeld internationaler Investoren zu gelangen.