Warum dieses Thema Beachtung verdient

Globale Investitionsförderungsorganisationen haben sich lange auf die Anziehung externen Kapitals konzentriert, dabei jedoch oft eine grundlegende Frage übersehen: Ist die industrielle Ballung einer Region durch äußere Kräfte „herbeigeschafft“ worden oder in der inneren „Boden“ gewachsen? Im Bezirk Fuyang der chinesischen Stadt Hangzhou hat eine dreijährige akademische Studie zwölf Dörfer an alten Handelswegen begleitet und festgestellt, dass die industrielle Wiederbelebung dieser Dörfer nicht von großen Investitionsanwerbeprojekten abhing, sondern aus den Verbundbeziehungen zwischen Kern-, assoziierten und Ausstrahlungsindustrien entstand. Diese Fallstudie offenbart eine endogene Clusterlogik, die für die weltweite Förderung von Industrieclustern und die Investitionsförderung eine breite methodische Bedeutung besitzt.

1. Problem und Hintergrund: Strukturelle Grenzen des Denkens der Investitionsanwerbung

Das traditionelle Modell der Investitionsanwerbung stellt die „Anziehung externer Projekte“ in den Mittelpunkt. Die Regierung stellt Land, Steuervergünstigungen und Infrastruktur bereit, und Anwerbungsteams führen externe Unternehmen in Gewerbeparks. Dieses Modell hat im Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung beachtliche Erfolge erzielt, versagt jedoch in ländlichen und gebirgigen Gebieten immer wieder. Der Grund liegt darin, dass es in Bergregionen an den für externes Kapital notwendigen Marktgrößen, unterstützenden Lieferketten und qualifizierten Arbeitskräften fehlt. Selbst wenn einzelne Projekte angesiedelt werden, werden sie oft zu „Enklaven“, die nur wenig mit der lokalen Wirtschaft verbunden sind.

Gleichzeitig sind die einheimischen Industrien nicht etwa nicht vorhanden, sondern befinden sich in einem fragmentierten und isolierten Zustand. Die Feldforschung in den Dörfern an den alten Handelswegen von Fuyang zeigt, dass Ressourcen wie Tee, Bambus und Holz sowie Kunsthandwerk längst vorhanden waren, es jedoch an Informationsaustausch und Interessenverbindungen zwischen den Industrien fehlte. Die Regierung hat wiederholt extern angetriebene Armutsbekämpfungsmaßnahmen durchgeführt, aber nach Abschluss der Projekte ließ die wirtschaftliche Dynamik wieder nach. Dieses Phänomen weist Fachleute der Investitionsförderung darauf hin: Wenn die externen Ressourcen zurückgehen, ist der entscheidende Faktor für ein anhaltendes Wachstum der Region, ob sich das interne Industrienetzwerk bereits gebildet hat.

2. Internationale Praxis und Trends: Von exogenem Antrieb zu endogener Vernetzung

Die globale Forschung zur Entwicklung von Bergregionen hat einen ähnlichen Wandel durchlaufen. Sowohl die Wiederbelebung der Bergdörfer in Japan, die Neue-Dorf-Bewegung in Südkorea als auch die Entwicklung der Berggemeinden im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh haben sich von frühen Finanzsubventionen und öffentlichen Bauprojekten allmählich hin zur Förderung lokaler industrieller Fähigkeiten entwickelt. Auch einschlägige UN-Organisationen betonen, dass gemeinschaftsgetragenes endogenes Wachstum nachhaltiger ist als bloße externe Hilfe.

Die Fuyang-Studie liefert einen Mechanismus auf Mikroebene für diesen Wandel. Die Forscher teilen die Industrien in Kernindustrien, verbundene Industrien und Ausstrahlungsindustrien ein. Kernindustrien verankern sich in der lokalen Ressourcenausstattung, etwa Teeanbau und Bambusverarbeitung; verbundene Industrien bieten Unterstützung in Design, Verpackung und Wartung; Ausstrahlungsindustrien verbreiten den industriellen Wert über die Integration mit Tourismus, Bildung und E-Commerce an externe Märkte. Die Synergie der drei erhöht nicht nur die Effizienz der Ressourcennutzung, sondern schafft auch zahlreiche nachhaltige lokale Arbeitsplätze.

Diese Erkenntnis korrespondiert mit den sozialen Netzwerkeffekten in der europäischen Theorie der Industriedistrikte. Die Handwerkscluster in Italien und Südchina erinnern uns daran, dass das Wesen industrieller Ballung nicht in geografischer Ansammlung liegt, sondern in der Vernetzung von Wissen, Vertrauen und Arbeitsteilung. Für Investitionsförderungsorganisationen bedeutet dies: „Ein Cluster fördern“ ist nicht gleichbedeutend mit „ein Gebiet bewerben“; vielmehr gilt es, die Beziehungsstruktur zwischen einer Gruppe von Industrieteilnehmern zu verstehen und zu unterstützen.## 3. Methodischer Rahmen: Ein übertragbares Modell für Drei-Ringe-Verzahnung und dorfübergreifende Zusammenarbeit

Aus den Erfahrungen in Fuyang lässt sich ein übertragbarer Ansatz zur Förderung von Industrieclustern im ländlichen Raum und in Randgebieten ableiten, der in diesem Beitrag als „Drei-Ringe-Verzahnungsmodell“ bezeichnet wird.

Schritt 1: Die lokale Branchenlandkarte erstellen und den Kernring verorten

Investitionsförderungsagenturen sollten zunächst die Denkweise des „Imports aus dem Nichts“ verwerfen und stattdessen eine Bestandsaufnahme der lokalen Industrie durchführen. Mithilfe von Feldforschung und Datentools werden die Produktionsaktivitäten bestehender landwirtschaftlicher Haushalte, Genossenschaften, kleiner Unternehmen und Handwerkswerkstätten erfasst. Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße oder der Steuerbeitrag, sondern wer langfristig verwurzelt ist, über technisches Know-how und eine Gemeinschaftsbasis verfügt. Die Kernbranche sollte drei Merkmale aufweisen: Verwurzelung in der Ressourcenausstattung des Standorts, überprüfbare Marktnachfrage und eine relative Konzentration von Arbeitskräftequalifikationen.

Schritt 2: Schnittstellen zwischen den Branchen gestalten und den Verbindungsring fördern

Kernbranchen stehen häufig vor dem Dilemma „starker Produktion, schwacher Distribution“. Die Aufgabe des Verbindungsrings besteht nicht darin, neue Branchen zu schaffen, sondern funktionale Schnittstellen zu etablieren. Zu den gängigen Schnittstellen gehören: einheitliche Rohstoffbeschaffung und Qualitätskontrollstandards, gemeinsam aufgebaute und geteilte Verarbeitungswerkstätten, die Einführung von Produktdesign- und Markenmanagement-Dienstleistungen sowie der Aufbau von Kühllogistik oder digitalen Vertriebskanälen. Investitionsförderungsagenturen können die Rolle des „Vernetzers“ übernehmen, Branchendialoge organisieren und langfristige Kooperationen zwischen lokalen Produzenten und externen professionellen Dienstleistern vermitteln.

Schritt 3: Ausstrahlungsszenarien öffnen und externe Aufmerksamkeit aufnehmen

Ausstrahlungsbranchen sind der Ertrag und die Verstärkung der ersten beiden Schritte. Durch Tourismusrouten, Bildungsangebote, Kulturfeste und Content-Medien werden die Geschichten der Kernbranchen in öffentliche Erlebnisse verwandelt. Eine Schlüsselstrategie der Dörfer am historischen Pfad in Fuyang ist die dorfübergreifende Verknüpfung: Der historische Pfad dient als räumlicher roter Faden, um die verstreuten Dörfer zu einem „kulturell-ökonomischen Korridor“ zu bündeln. Auf diese Weise werden Doppelinvestitionen vermieden und zugleich die Wiedererkennbarkeit der Gesamtmarke erhöht.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Ausstrahlungsbranchen dürfen sich nicht von der Kernbranche lösen und ins Leere laufen. Wenn der ländliche Raum nur die „Hülle“ des Tourismus besitzt, ohne den „Kern“ von Produktion und Austausch, gerät man leicht in die Falle einer performativen Ökonomie. Daher wird empfohlen, ein Monitoringsystem einzurichten, das die Intensität der Aktivitäten der Kernbranche als Indikator nutzt, um sicherzustellen, dass die Tourismuseinnahmen wieder in die Produktion zurückfließen.

4. Neue Richtung: Digitale Werkzeuge und globale Kommunikation gestalten die Clusterförderung neu

Digitale Technologien senken die „Verbindungskosten“ ländlicher Industriecluster. KI-gestützte Analysen der Branchenlandkarte können Investitionsförderungsagenturen dabei helfen, potenzielle Verbindungen und Lücken zwischen den Branchen schnell zu erkennen; Big-Data-Konsumprofile können ländliche Produkte gezielt auf Marktsegmente ausrichten; soziale Medien und Kurzvideos ermöglichen es abgelegenen Dörfern, direkt am globalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit teilzunehmen. In diesem Sinne entwickelt sich die Förderung von Industrieclustern zunehmend zu einem „digitalen Kommunikationsprojekt“.

Gleichzeitig verändert sich auch das Verständnis der Investoren von „Clusterqualität“. Im Vergleich zu den traditionellen Faktorkosten legt die neue Generation von Investoren mehr Wert auf die Resilienz der Region, ihre kulturelle Einzigartigkeit und die Dynamik gemeinschaftlicher Kooperation. Regionen, die klar erzählen können, „wie die Akteure einer Branche einander unterstützen und symbiotisch zusammenleben“, haben bei der Kommunikation oft natürliche Vorteile. Daher müssen Investitionsförderungsagenturen „Beziehungen“ in den Kommunikationsrahmen einbeziehen und sich von der Präsentation von Landschaft und Infrastruktur abwenden, hin zur Darstellung realer Personen und Kooperationsmechanismen im Industrienetzwerk.## Fazit

Der Fall der Dörfer an den alten Pfaden in Fuyang liefert keine allgemeingültige Vorlage, aber er veranschaulicht eindrucksvoll: Der Ausgangspunkt für die Förderung von Industrieclustern sollte nicht sein, „was angesiedelt werden soll“, sondern „welche Verbindungen hier bereits bestehen“. Die Rolle der Investitionsförderer wandelt sich gerade vom „Jäger“ zum „Gärtner“ — sie pflegen die lokalen Beziehungen, schneiden ineffiziente Verflechtungen zurück und warten darauf, dass das Ökosystem auf natürliche Weise Form annimmt. Diese endogene Clusterperspektive ist vielleicht der beachtenswerteste Perspektivwechsel in der globalen Investitionsförderung im nächsten Zyklus.

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Quellen

https://www.nature.com/articles/s41599-026-06538-z